Die Geschichte der Hammermühle Bautzen 

 

Die Geschichte der Hammermühle Bautzen, heute gleichzeitig Mahl-, Öl- und Senfmühle, noch immer angetrieben von der Kraft der Spree, geht zurück bis in das 15. Jahrhundert. Sie wurde im Jahre 1493 von der Stadt Bautzen als Drahtmühle erbaut. Im Jahr 1740 wurde die Mühle um ein Eisenhammerwerk erweitert.

Vom Eisenhammer zur Hammermühle - eine Familienvision

1888 kaufte der Müllermeister Carl Ernst Heinke den sehr baufälligen Eisenhammer in Bautzen. In diesem wurden u.a. eiserne Türen und Treppen hergestellt. Carl Ernst Heinkes Projekt für die kommenden Jahre sollte der Umbau vom Eisenhammer zu einer Getreidemühle werden. Der Umbau begann noch im Jahre des Kaufes. Es wurden u.a. mehrere alte Buden und Schmiedeessen beseitigt und ein kleines hölzernes Wasserrad durch ein doppelt so großes ersetzt. 1893 wurde das hölzerne Wasserrad durch ein eisernes mit 5 Metern Durchmesser, 3 Metern Breite und 75 cm Kranztiefe eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt  bestand die ganze Mühleneinrichtung schon aus einer Reinigunsanlage, einem Walzenstuhl, Wasserrädern aus Eisen und Holz, einem Franzosen (feiner Mühlstein) und einem Schrotgang. Am 6.10.1888 drehte sich erstmals das Mühlrad und die Haupttransmission, die heute noch so läuft. 1891 wurde auf die Mühle ein Stockwerk und eine Versenkung aufgesetzt. Die Mehlmischmaschine fasste mittlerweile 300 Zentner Mehl und ein Fahrstuhl wurde in Betrieb gesetzt. 

Theodor Oswald Heinke

Im Jahre 1895 gingen die Geschäfte über auf den Sohn Theodor Oswald Heinke, der 1897 das Mühlengrundstück erweiterte. In der Folge wurde das alte Wohnhaus umgebaut, der 26 Meter lange Speicher gebaut und der Hof gepflastert. Die Mühle hieß fortan Hammermühle. Die Hammermühle überdauerte schließlich erfolgreich die Zeit des ersten Weltkrieges. Bereits aus dieser Zeit stammt die auch heute noch geltende Maxime von Oswald Heinke: 

 

"Die Höhe der Produktion wurde nicht durch die Nachfrage, sondern durch die Leistungsfähigkeit der Maschinenanlage bestimmt. Erstellung tadelloser Qualitäten, nicht billige Massenerzeueugnisse wurden erstrebt." Während der Inflation und des zweiten Weltkrieges bedurfte es zwar großer Anstrengungen die Mühle rentabel laufen zu lassen, aber Theodor Oswald Heinke arbeitete u.a. nach seinem Motto: "Pessimist ist der Mist, auf dem nichts wächst."

Lusatia Siegelerde

So begann er im Jahre 1932 mit der Produktion von heilkräftiger Erde, die unter dem Namen "Lusatia" in den Folgejahren bis in den Orient verkauft wurde. Bis heute wird Lusatia Siegelerde in der Familie angewendet. Im Jahre 1946 heiratet die Enkelin von Oswald Heinke den Müllermeister Herrmann Koitzsch, der sodann Mitglied der Mühlenbelegschaft wird. 1956 wurden die beiden Wasserräder durch eine Turbine ersetzt und weitere Modernisierungen vorgenommen. Infolge staatlicher Maßnahmen wurde in der Hammermühle seit 1961 fast nur noch Gerste für Brauereien und Tiefutter geschrotet. 

100 Jahre Hammermühle und es geht immer weiter ...

Im Jahre 1964 starb Oswald Heinke im 95. Lebensjahr und die Mühle ging in das Eigentum der Familie Koitzsch über. 1988 wurde das 100-jährige Bestehen der Hammermühle gefeiert. Der Enkel von Herrmann Koitzsch, Stephan Hierl, übernahm die Mühle im Jahre 2003. In den folgenden Jahren wurde die Mühle grundhaft saniert und fehlende Technik ergänzt. Neben erstklassigen Ölen und Senfsorten wird auch die Siegelerde "Lusatia" produziert. Und so arbeitet die mittlerweile 6. Generation in der Hammermühle Bautzen "... mit dem festen Willen das Ererbte zu erhalten." (Ausspruch aus der Festrede H. Koitzschs zum 100-jährigen Bestehen der Hammermühle, 1988).