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Hammermühle

Der Blick von der Mauer des Nikolaifriedhofes auf das markante Spreeknie mit den zwei Wehren erfasst den Gebäudekomplex der Hammermühle und damit einen bedeutsamen Teil der Bautzener Geschichte.
Der Übergang der im Mittelalter stark benutzten Hohen Strasse an dieser Stelle hat sicher zur Entstehung der Stadt Bautzen wesentlich beigetragen. Das starke Gefälle in der Spreeskalaveranlasste den Bau von nachweislich 21 Mühlen im Stadtgebiet, deren eine als Drahtmühle just an dieser Stelle entstand.
Dass sie 1740 um einen Eisenhammer erweitert wurde, deutet auf die günstige Lage hin.
Die stürmische, technische Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts veranlasste aber die Besitzer, an einer anderen Stelle vor der Stadt weiträumiges Baugelände zu erwerben. Das geräumte und verfallende Eisenhammerwerk kaufte 1888 Carl Ernst Heinke, der in Cunewalde mühsam in Gang hielt. Er gehörte dort zu den Bürgern, die sich - zu diesem Zeitpunkt noch vergeblich! - um einen Eisenbahnanschluss Cunewaldes an die Strecke Bautzen - Wilten bemühten. Sein Versuch in Bautzen eine neue Existenz zu gründen, war erfolgreich. Heute, über 110 Jahre später, ist die Hammermühle das letzte Werk, das noch arbeitet. Und seinem Geschichtsbewusstsein verdankt die Mühle ihren Namen Hammermühle. Soviel zum Blick vom Nikolaifriedhof in die Bautzener Geschichte.

Die Betriebsgeschichte beginnt also 1888. Am 1 Oktober wurde die Firma Heinke & Sohn gegründet. Am 6. Oktober drehte sich die Haupttransmission. Was war vorgegangen? Der neue Müller räumte die Schmiedewerkstatt aus, entfernte die Schornsteine, installierte eine Reinigung, einen Mahlgang, einen Walzenstuhl und einen Schrotgang. Der Bau war alles andere als schön. Die Steine und ein großer Zylinder wurden aus der Seidauer Windmühle geholt.
Von der Strasse musste das Korn in den tiefen Hof und das fertige Produkt wieder hinauf zur Strasse getragen werden. Es war ein mühseliger Anfang. Der starke Verkehr mit fast ausschließlich Pferdefuhrwerken auf der abschüssigen Gerberstrasse führte zu vielen Unfällen durch scheuende Pferde.
1891 wurde die Werkstatt aufgestockt und 1893 ein neues eisernes Wasserrad installiert. Es hatte einen Durchmesser von 4,65 m und eine Breite von 3 m. Mit seinen 42 Schaufeln sollte dieses Wasserrad lange Zeit die Mühle antreiben. 1895 wurde Theodor Oswald Heinke anstelle seines Bruders Mitinhaber. Neben dem Mühlengebäude entstand in Jahr 1897 das Speichergebäude. Ein Jahr später, 1898, wurde das Wohnhaus aus dem Jahr 1767 umgebaut.
Die folgenden Jahre waren dem Geschäft und der technischen Ausrüstung der Mühle gewidmet. 1908 wurde zur Unterstützung der Wasserräder ein Elektromotor eingebaut. Bei schlechtem Wasser sollte er den Fortgang des Betriebes gewährleisten. In einem Fragebogen von 1920 wird von 4 Reinigungsgeräten, 6 Mahlmaschinen, 4 Geräten zur Sichtung und 6 weiteren Geräten zur Ausmahlung berichtet. 1956, also sich die Wasserräder nicht mehr reparieren ließen, wurde das letzte große Bauvorhaben der Hammermühle verwirklicht. Die Wasserräder mussten einer Turbine weichen. Diese Turbine ist noch heute für den Betrieb der Wasserkraftgetriebenen Hammermühle verantwortlich.